• Sie haben sexualisierte Übergriffe durch kirchliche MitarbeiterInnen erlebt oder erleben diese noch?
  • Sie sind als Ordensfrau sexuell missbraucht worden, von einem Priester, von Ihrer Oberin oder von einer Mitschwester?
  • Sie fühlen sich in Ihrer Ordensgemeinschaft isoliert, ausgenutzt und gemobbt?
  • Sie haben den Eindruck, dass Ihre Seelsorgerin/Ihr Seelsorger oder Ihre geistliche Begleitung Sie manipuliert?
  • Sie wollen mit einer Person sprechen, die Ihre Erfahrung ernst nimmt?
  • Sie wollen sich informieren, welche nächsten Schritte möglich sind?

Sie sind nicht allein damit.


An wen richtet sich dieses Angebot?

Dieses Angebot richtet sich an Frauen, die als Erwachsene im Bereich der römisch-katholischen Kirche Gewalt erfuhren, d.h. die zum Zeitpunkt der Taten bereits volljährig waren. Bisher gab es für sie keine zentrale Anlaufstelle.


Was ist mit „kirchlichen Räumen“ gemeint?

Orte der Übergriffe können Pfarreien, bistumseigene Einrichtungen, Orden oder andere Institute des geweihten Lebens, Verbände, Vereine, Caritas oder alle Arten kirchlicher Bewegungen sein.


Ist es überhaupt Gewalt, was ich erfahren habe?

Gewalt kann sich in Gestalt sexualisierter Gewalt, spirituellen Missbrauchs, finanzieller Ausbeutung und/oder in der Ausbeutung von Arbeitskraft zeigen. Erlittene Gewalt wird oft erst an den seelischen Auswirkungen bei den Betroffenen als solche erkannt. Maßgeblich sind deshalb Ihre individuellen Empfindungen.


Was bietet diese Anlaufstelle?

Diese Anlaufstelle ist eine Erstberatungsstelle für betroffene Frauen und ihre Angehörigen nach geistlichem und/oder sexuellem Missbrauch in kirchlichen Kontexten einschließlich der Orden. Die AnsprechpartnerInnen, BeraterInnen und SeelsorgerInnen stellen sich in den Dienst des Zuhörens, der Entlastung, der emotionalen Stützung und Stabilisierung der betroffenen Frauen. Neben Erstberatung und Krisenintervention unterstützen sie die Betroffenen bei der Klärung ihrer Wünsche, Ziele und persönlichen Ressourcen; sie geben Informationen, die eigenverantwortlich weiterverfolgt werden können und/oder benennen Personen, die Betroffene langfristiger begleiten und spezieller beraten können.

Informationen zu unseren AnsprechpartnerInnen, BeraterInnen und SeelsorgerInnen finden Sie unter dem Menüpunkt „Wir über uns".

 

 


Was ist das Ziel der Anlaufstelle?

Ziel der Anlaufstelle ist es, Betroffenen ein möglichst weites Feld konkreter Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und sie zu eigenmächtigem Handeln zu ermutigen. Zugleich beziehen wir Stellung gegen jeglicher Form der Gewalt an Frauen in Kirche und setzen uns für eine Verbesserung der Situation betroffener Frauen ein.



Wie kam es zu dieser Anlaufstelle?

Im Februar 2019 äußerte sich Papst Franziskus erstmals öffentlich zum psychischen, geistlichen und sexuellen Missbrauch von Ordensfrauen durch Kleriker und Ordensobere auf der ganzen Welt. Erschütternde Studien zu diesen Verbrechen sind bislang wenig beachtet worden und ohne Konsequenzen geblieben. Das ganze Ausmaß der Missachtung von Frauen und der Gewalt gegen Frauen in Kirche und Ordensgemeinschaften ist bislang kaum im Blick. Dies gilt auch für die Verstrickung von Frauen als (Mit-)Täterinnen und Mitwisserinnen. Eine Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche muss auch den Missbrauch an erwachsenen Frauen in der Kirche und die systemischen Ursachen einer manipulativen Seelsorge thematisieren.

Aus diesem Grund fand im September 2019 in Siegburg eine Fachtagung mit dem Thema „Gewalt gegen Frauen in Kirche und Orden. Eine Veranstaltung von Frauen für Frauen“ statt. Die Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz organisierte diese Tagung in Zusammenarbeit mit dem Bereich Pastoral im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) und den katholischen Frauenverbänden Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB) und Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd).

An dieser Tagung nahmen 125 Frauen aus ganz Deutschland teil: hauptamtliche Seelsorgerinnen, Ordensfrauen, ehemalige Ordensfrauen, Präventionsbeauftragte, Theologinnen und Verantwortliche aus den Diözesen, Orden und Frauenverbänden, Religionslehrerinnen, Therapeutinnen, Journalistinnen und Frauen aus anderen Berufen. Unter den Teilnehmerinnen waren zahlreiche Frauen, die als Erwachsene geistlichen und sexuellen Missbrauch erfahren haben. Viele von ihnen berichteten von der Erfahrung, dass sie mit ihrem Anliegen immer wieder an andere Stellen und Personen weiterverwiesen wurden. Für traumatisierte Frauen, für die jede Kontaktaufnahme eine Überwindung darstellt, ist dies sehr schwierig. Als wichtiges Resultat der Tagung wurde darum der dringende Bedarf an einer eigenen kirchlichen Anlaufstelle formuliert, die sowohl innerkirchlich als auch bei allen Beratungsstellen bekannt ist.

Die Kommission „Frauen in Kirche und Gesellschaft“ der Deutschen Bischofskonferenz hat im Anschluss an die Tagung das Anliegen einer zentralen Anlaufstelle für Frauen, die im kirchlichen Kontext Gewalt erfahren haben und die Beratung und Unterstützung suchen, aufgegriffen und die Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz mit der Einrichtung und Koordination dieser Anlaufstelle beauftragt.

Weitere Informationen unter: "Tagung in Siegburg 2019"